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asb autismus kleinZum Welt-Autismus-Tag am 2. April 2017– Der ASB setzt sich dafür ein, die Inklusion von Menschen mit Autismus im Verlauf des ganzen Lebens weiter voranzutreiben. Denn noch immer fehlt es an angemessenen Begleitungs-, Förderungs- und Arbeitsangeboten für autistische Menschen.

In Heilbronn hat sich der ASB darauf spezialisiert, autistische Menschen zu begleiten und zu unterstützen. Im Gemeinschaftsprojekt „Autista" hat der ASB mit zwei weiteren Organisationen ein Autismus-Kompetenz-Zentrum geschaffen. „Unser vorrangiges Ziel neben Beratung, Diagnostik und Therapie ist die Inklusion von Menschen mit Autismus in allen relevanten Aspekten des Lebens – insbesondere durch eine nachschulische Perspektive", erklärt Steffen Kübler (46), Leiter der Jugend- und Behindertenhilfe beim ASB Heilbronn-Franken. „Die Zeit nach dem Schulabschluss ist das große Delta. Denn ein Mensch bleibt auch nach dem Schulabschluss autistisch und eine Integration im nachschulischen Bereich ist äußerst schwierig. Auch weil Zuständigkeiten oft unklar sind."

Manche Schüler benötigen Begleitung
Bis zum Ende der Schulkarriere autistischer Kinder sei man in Heilbronn sehr gut aufgestellt, so Kübler. „Die meisten Kinder erreichen einen adäquaten Schulabschluss." Dabei spiele die Schulbegleitung eine zentrale Rolle. „Manche Kinder und Jugendliche brauchen während der Kindergarten- und Schulzeit eine Begleitung, die ihnen hilft, sich im Schulalltag zurechtzufinden, Sozialverhalten zu verstehen und sich zu organisieren. In einer einfachen Anweisung des Lehrers, man solle Hefte und das Buch herausholen, stecken für Autisten komplexe Handlungsabläufe. Wo ist meine Schultasche? Welches Heft und welches Buch muss ich herausnehmen? Wo lege ich es auf meinen Tisch, welche Seite schlage ich auf und auf welche Seite schreibe ich mit welchem Stift?" Die Schulbegleiter vom ASB helfen den Kindern, sich im Unterricht besser zu strukturieren.

Berufseinstieg ermöglichen
Doch wie geht es nach dem Schulabschluss weiter? Wie können Autisten am Berufsalltag und am altersgemäßen sozialen Leben teilhaben? Hier setzen die Angebote von Autista an. So werden auch hier eine bedarfsgerechte Begleitung und Betreuung geleistet, Wohnangebote realisiert und Möglichkeiten geschaffen, um Menschen mit Autismus in Arbeit zu bringen. Ergänzt wird das Angebot durch einen weiteren wichtigen Baustein: das Sozialkompetenztraining. Dabei lernen Autisten den Umgang mit anderen Menschen, um Reaktionen und Verhaltensweisen besser zu verstehen. „Autisten sind Menschen, die Schwierigkeiten haben, unser nonverbales Verhalten und unseren sozialen Kodex zu entschlüsseln. Aber sie haben besondere Talente und die Fähigkeit, die Welt anders wahrzunehmen", so Kübler. Wie man sich das vorstellen kann? Das veranschaulicht Kübler mit folgendem Bild: „Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein Wohnzimmer, in dem sich Personen unterhalten. Wir nehmen zuerst die Stimmung und die Atmosphäre wahr. Ein Autist beschreibt ihnen erstmal wie der Raum eingerichtet ist, dass es einen Plattenspieler gibt, aber dort nur CDs vorhanden sind und die Bücher nicht im 90°-Winkel stehen."
Die Mitarbeiter im Projekt suchen für die jungen Schulabgänger nach Ausbildungsmöglichkeiten, Anlerntätigkeiten oder Plätzen in Werkstätten, in denen autistische Menschen eine Perspektive finden. „Dazu zählt auch, dass wir das Umfeld sensibilisieren und Rahmenbedingen schaffen, beispielsweise Vorgesetzte und Mitarbeiter über bestimmte Verhaltensweisen informieren", erklärt Kübler. „Oder wir schauen in den Unternehmen, was im Arbeitsalltag umgestellt werden könnte, damit Autisten dort arbeiten können."

Leider gibt es immer noch viel zu wenige Unternehmen, die bereit sind, Autisten einzustellen. „Dabei sind Autisten äußerst leistungsfähig, verantwortungsbewusst, geduldig und loyal – wenn das Umfeld stimmt", so Kübler. Das kann für viele Unternehmen ein Gewinn sein – wenn sie bereit sind, sich einzulassen und das Potenzial zu nutzen.

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Markus Scheidle ist Autist und kommuniziert ausschließlich computergestützt mit seinen Mitmenschen. Arbeiten zu gehen ist für ihn aber deshalb nicht ausgeschlossen. In einer ASB-Kita in Heilbronn arbeitet der 30-Jährige tatkräftig mit.

Foto: ASB/B. Bechtloff